zuhören . nachdenken . deuten . schreiben

Einladung zur 22. Jahrestagung der EPF 2009 in Brüssel

Zum Gebrauch verschiedener Formen unbewusster Kommunikation.

Der Vorstand und der Rat der EPF laden Sie herzlich zu unserer  22. Jahrestagung auf Einladung der Belgischen Psychoanalytischen Gesellschaft nach Brüssel ein.

Mit dem vorgesehenen Thema der Tagung zielen wir auf das inhaltliche Zentrum psychoanalytischer Theorie und Praxis, für die klinische Situation genauso wie für alle angewandten Bereiche psychoanalytischen Verstehens humaner Prozesse. Obwohl heute kaum jemand bezweifelt, dass das Unbewusste für das Subjekt eine organisierende Funktion übernehmen kann und auf unerkannte Weise kommunikative Austauschprozesse determiniert, sind wir immer wieder in der Gefahr seine Bedeutung zu vernachlässigen bzw. andere bewusstseinsnähere Anteile in ihrer Bedeutung zu überschätzen. Deshalb sind wir angehalten im Verlaufe unserer beruflichen  Entwicklung, unsere psychoanalytischen Einsichten stets aufs neue zu korrigieren, durchzuarbeiten und zu vertiefen und  jede neue Generation von Psychoanalytikern muss ihr fundamentales psychoanalytisches Wissen unter dem Einfluss von heftigen Widerständen erarbeiten, implizite bzw. private Theorien auf ihren Bestand und ihre Nachhaltigkeit überprüfen und in den Korpus z.T. widersprechender tradierter Theorien integrieren. Der ständige Diskurs über unser Wissen, in den andererseits verzerrende subjektive unbewusste Überzeugungen und Haltungen eingehen können, ist deshalb so wichtig und ein Garant für den Fortschritt unserer Theorie und Methode. Unser Wissen über unbewusste Prozesse ist nicht von Anfang an evident und es enthält kaum lexikalische Qualitäten, deshalb kann ohne  permanente selbst reflexible Arbeit, z.B. in Form von Fallbesprechungen oder der ständigen Bemühung um Übersetzung in eine kommunikationsfähige theoriegeleitete Sprache, unsere klinische und wissenschaftliche Kompetenz  schnell ihre Qualität einbüßen. Dies hört sich einerseits beunruhigend an, was es tatsächlich auch ist, enthält aber andererseits den ungeheuren Reiz einer Wissenschaft und Behandlungsmethode, die stets zwischen Wissen und Nicht-Wissen, einen prozessualen Charakter behält und deshalb in der Lage ist tiefe Einsichten in subjektives Erleben und neue subjektive Einsichten in einen allgemeinen Diskurs zu transformieren.

Unsere europäischen Tagungen haben in diesem Zusammenhang eine weitere bedeutsame Funktion, ermöglichen sie doch außerdem die Überprüfung bzw. Integration von Erfahrung in Wissen, welche sich in unterschiedlichen Sprachsystemen etabliert haben. Unsere heutigen europäischen Gesellschaften repräsentieren 21 Sprachen und ihre dazugehörige Kulturen, einschließlich der drei offiziellen Kongresssprachen Deutsch, Englisch und Französisch,  

Unbewusste Kommunikation erfolgt in der klinischen Situation zuerst über Sprache, aber die Auswertungen unserer Erfahrungen über Übertragung und Gegenübertragung, projektive Identifizierung, extraktive Introjektion, nonverbale Mitteilungen, Körperausdruck und Gesten, Agieren und Enactement, Rollenübernahme und Performance haben in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen, ohne dass die Bedeutung der Traumanalyse als «Königsweg zum Unbewussten» eingeschränkt worden wäre.

In allen angewandten Bereichen psychoanalytischen Verstehens sind in der letzten Zeit große Anstrengungen unternommen worden. Tendenziell könnte man von einem  Paradigmawechsel sprechen. Anstatt z.B. Künstler bzw. Künstlerbiografien und ihre Werke mit psychoanalytischen Kategorien zu pathologisieren, bemühen wir uns zunehmend darum, aus künstlerischen Prozessen (Malerei, Musik, Literatur, Film, aber auch aus sozialen und politischen Phänomenen usw.) Einsichten zu gewinnen, die dort ihrer Zeit und unserem psychoanalytischen Wissen voraus sind und innerseelische menschliche Konflikte besser aufklären helfen.

Exekutive und Programmkomitee haben versucht, die Vielfalt der angedeuteten Phänomene in den verschiedenen Panels aufzugreifen. Wie schon in den vorangegangenen Jahren ist der Wechsel von Angeboten in großen und kleineren Plenarveranstaltungen und Arbeitsgruppen durchgehalten und wir hoffen, dass Sie alle diese unterschiedlichen Angebote nützlich finden. Wir freuen uns besonders, dass wir Ihnen jetzt schon, die Hauptredner der Plenarveranstaltungen für alle Teilnehmer der Tagung, mitteilen können: Serge Frisch (Luxembourg), Jonathan Lear (Chicago/USA), RenéRoussillion (Lyon/Frankreich), Michael Parsons (London, England), Stefano Bolognini (Bologna/Italien), Jorge Canestri (Rom/Italien), Joachim F. Danckwardt (Tübingen/Deutschland) und Christopher Bollas (North Dakota, USA). Außerdem haben wir für Brüssel versucht das wissenschaftliche Programm bereits bei der Ankündigung so vollständig zu verzeichnen, dass Sie sich eine genaue Vorstellung darüber machen können, was Sie erwarten wird (siehe Seite...).

Ebenfalls werden Sie wieder die Möglichkeit haben, sich gesondert für  die Working Parties, Foren und Arbeitsgruppen anzumelden. Diese Arbeit lebt von einer nicht zu großen Gruppengröße und wenn Sie sich angemeldet haben, sollten Sie den Platz auch tatsächlich in Anspruch nehmen, anderenfalls nehmen Sie einem Interessierten den Platz weg. Bitte beachten Sie auch die Fristen für die Anmeldung. Zusätzlich wird es wieder ein gesondertes Programm für unsere Kandidaten geben, welches von den Mitgliedern der IPSO vorbereitet wird. Einreichungen für ´Individual Papers´ sind bis zum 30.11.2008 möglich und wir würden uns freuen, wenn viele von Ihnen Ihre Arbeiten in Brüssel vorstellen möchten. Auf der Website der EPF (http://www.epf-eu.org/) finden Sie fortlaufend ergänzende Informationen und dort können sie sich auch bald für die Tagung anmelden.

Das lokale Organisationskomitee (LOK) hat keine Mühen gescheut und es wird Sie die eine oder andere Überraschung erwarten. Für Interessenten gibt es die Möglichkeit eine private Einladung bei einem belgischen Kollegen zu erhalten.

Wir freuen uns auf eine anregende Tagung und hoffen, dass nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch unsere Kandidaten, Gebrauch von den vielfältigen Angeboten unserer 22. Jahrestagung in Brüssel 2009 machen.

Peter Wegner (Präsident),

Ronny Jaffè (Vorsitzender des Programm Komitee),

Marie France Dispeaux und Serge Frisch (LOK, Belgische Psychoanalytische Gesellschaft).

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